04.12.2009 17:41

Stellungnahme Hauptschulzusammenschluss

Karin Vogt, Gemeinderätin Tamm

Sehr geehrter Bürgermeister Zeller,

Meine Damen und Herren,

So kontrovers wie zum Thema „Zukunft der Hauptschule“ wird vermutlich hier in der Region nur noch über Stuttgart 21 diskutiert. 

Anhand der vorgegebenen Eckdaten durch das Kultusministerium kann man dann eigentlich bei diesem Thema nur mit den Achseln zucken und resigniert zugeben, dass der Gemeinde Tamm im Grunde nichts anderen übrig bleibt, als den Zusammenschluss der Hauptschulen Asperg und Tamm zu befürworten. Mit dem Ergebnis, dass die Klassen 5 bis 7 in Tamm, die Klassen 8 bis 10 in Asperg unterrichtet werden. Hauptstandort wird Asperg sein, mit der dort ansässigen Schulleitung und Tamm mit den Konrektorrat als Außenstelle. 

Welchen Bedingungen stehen wir denn nun gegenüber: Zum einen sei hier der demographischer Wandel mit sinkenden Schülerzahlen zu nennen. Aus dieser Tatsache resultiert dann ein Überhang an Hauptschulstandorten. Zum anderen sehen wir die schlechten Chancen für Hauptschülerinnen und Schüler auf dem Arbeitsmarkt bzw. eine hohe Quote an Schulabbrechern, und Schüler und Schülerinnen ohne Abschluss.  Soweit so gut. Was bedeutet dies nun für Tamm? Kann unsere Hauptschule diese Probleme eigenständig lösen oder hilft uns hier tatsächlich eine Kooperation mit Asperg?

Vor einer Woche im VA war ich noch voll Euphorie, dass wir hier in Tamm mit einer eigenständigen Hauptschule weitermachen werden. Viele Gründe sprechen dafür dies zu wagen. 

In der Vergangenheit wurde viel Zeit von Schulleitung, Lehrerteam und Schulsozialarbeit investiert, um ein pädagogisches Konzept zu erarbeiten, dass sich speziell auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in unserer Hauptschule  einstellt, mit dem Ziel die Qualität auszubauen. Unsere Schulsozialarbeit ist vorbildlich und arbeitet mit der Schule eng verzahnt. Durch die geringe Anzahl an Schülerinnen und Schülern ist es möglich, durch kleinere Klassen individuell auf die Bedürfnisse der Kinder zu reagieren. Nach der 9. Klasse gibt es die Entscheidung durch einen Wechsel an die Werkrealschule in Asperg den qualifizierten Hauptschulabschluss zu machen. Die Wege für eine Ganztagesbetreuung wurden gelegt. Die Räumlichkeiten der Hauptschule sind in gutem Zustand und finanzielle Mittel für die eine oder andere Maßnahme sind im Haushalt eingestellt. Wir haben hier in Tamm auch eine sehr gute Bilanz an Abschlüssen. Die Abgänger haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.  Eigentlich tolle Voraus-setzungen um als eigenständige Hauptschule weiter zu machen. 

Wären da nicht die weiter sinkenden Schülerzahlen!! Was tun ??   

Zum einen könnten wir ja durchaus noch einige Jahre mit unserer Hauptschule eigenständig weitermachen.  Bei Bedarf dann erst nach einem Partner zum Fusionieren suchen. Doch welche Schulen kommen dann für uns als Partner noch in Frage? Vor allem zu welchen Bedingungen? Unser erster Ansprechpartner wird immer Asperg bleiben. Schulzusammenschlüsse zwischen Asperg und Tamm haben sich in der Vergangenheit bereits schon als gute und vertrauensvolle Kooperation erwiesen. Weitere Kooperationen wären logistisch problematisch. Auch haben wir zum jetzigen Zeitpunkt die Gelegenheit zur Mitbestimmung. Wir können unsere Akzente und Vorzüge einbringen und bei den Rahmenbedingungen mitarbeiten. 

Des weiteren wird sein, dass durch die sinkenden Schülerzahlen die Klassen über kurz oder lang zu Klassenverbünden zusammengeschlossen werden müssten. Die Angst vor Kombiklassen und daraus resultierend geringere Lehrerzuweisungen, kann für eine gute Hauptschule nicht die Zukunft sein und würden bei den Eltern auf Ablehnung stoßen. Wenn unser Marketing nicht funktioniert zusätzlich Schülerinnen und Schüler an die Schule zu holen, sind Klassenverbünde unausweichlich. Unter Berücksichtigung der päd. Konzepte keine tolle Perspektive für die Eltern und Jugendlichen. 

Ein ganz entscheidender Punkt aber ist für mich die Einstellung der Hauptschuleltern zu diesem Thema. Durch die Auflösung der Schulbezirke können die Eltern die Hauptschule für ihr Kind frei wählen. Welche Voraussetzungen sind dann bei der Entscheidung der Eltern ausschlaggebend?? In einzelnen Gesprächen bestätigen Eltern, ihr Kind auf jeden Fall lieber auf eine Werkrealschule schicken zu wollen,  mit dem Ziel eines Werkrealschulabschlusses. In unserem Ballungsraum eröffnen sich hier verkehrsgünstig gelegen viele Möglichkeiten !! Dies bedeutet auch, die klassische Hauptschule, auch wenn sie tolle päd. Konzepte anbietet, ist für viele Eltern absolut kein Thema mehr. 

Zumal sich Eltern auch in der Schulkonferenz durch ihr Abstimmungsverhalten klar für einen Zusammenschluss ausgesprochen haben. Ebenso ein Großteil der Lehrer in der Gesamtlehrerkonferenz. Eine klare Vorgabe wie wir finden. 

Fazit: Die klassische Hauptschule in Tamm, auch wenn sie nach unserer Meinung und die vieler Eltern und Lehrer sehr gute Rahmenbedingungen für die Schülerinnen und Schüler bietet, hat wohl keine Zukunft hier. 

Noch eine kleine Anmerkung am Rande. Wir von Bündnis 90/Die Grünen hätten uns vom Kultusministeriums mehr Mut gewünscht. Mehr Mut dahingehend, die Chance eines Strukturwandels zu vollziehen. Mit dem Ziel das dreigliedrige Schulsystem abzuschaffen, hin zum „Längeren gemeinsames Lernen“. Nein, es gibt leider in diesem Bereich zu viele Lobbyisten die dies zu verhindern wussten. Da überpinseln wir lieber das Wort „Hauptschule“ mit dem Wort „Werkrealschule“ und hoffen damit alle Probleme der Kinder und Jugendlichen in diesem Bereich zu lösen. Damit schaffen wir aber leider auch nicht mehr Qualität. Um eine Qualitätsverbesserung zu erreichen bedarf es natürlich wieder finanzielle Mittel, die in Form von zusätzlichen Kräften und einer Aufstockung der Schulsozialarbeit in der Schule notwendig wären. Doch diese Mittel stecken wir dann in die Sanierung der Banken, in den Ankauf von Schlössern und Kunstwerken oder wie in unserem Fall, in die Schülerbeförderung. Schade, gerade im Bereich Hauptschule hätten wir durch diesen Systemwandel viel positives bewirkt, zum Wohle der Schülerinnen und Schüler.

An dieser Stelle möchte ich noch ein ganz großes Lob an die Schulleitung, an die Lehrerinnen und Lehrer der Hauptschule Tamm weitergeben. Sie haben in den vergangenen Jahren vieles bewegen können. Die guten Ergebnisse sind Zeichen, dass sich Motivation und Engagement in diesem schwierigen Bereich der Schullandschaft auszahlt, zum Wohle der Schülerinnen und Schüler. Wir wünschen ihnen für diesen Zusammenschluss viel Energie und ein gutes Händchen in der Umsetzung dieser Kooperation, die auch hier wieder viel Flexibilität und Engagement von ihnen erwartet. Alles Gute!

Wir von Bündnis 90/Die Grünen stimmen dem Zusammenschluss der Hauptschulen Tamm und Asperg zu. 

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